Die Freiheit des Menschen verführt, zum Surrogat zu werden

 

Surrogat - © Alfred Rhomberg

 

 

Surrogate sind der Ersatz für ein hochwertiges Produkt – unsere Lebensmittelindustrie versorgt uns bereits hinreichend mit solchen Surrogaten wie Kunsthonig, Süßstoff, Analogkäse und Formfleisch.

 

Kann auch der Mensch selbst zum Surrogat werden?

 

Die Freiheit der wir so nachjagen, erlaubt dies zumindest, obwohl der Mensch nie ein “hochwertiges Produkt” war. Hätten wir diese Freiheit nicht, so würde uns wahrscheinlich irgendjemand dazu zwingen, so zu bleiben wie wir sind (Kaiser, Könige, Diktatoren, Gottheiten etc.). Wir haben uns im Laufe der Geschichte eine gewisse Freiheit erkämpft, sind stolz darauf – und weil wir kein hochwertiges Produkt sind, missbrauchen wir die gewonnenen Freiheiten. Wir haben sogar ein gesetzlich verankertes Recht auf Meinungsfreiheit – würden wir jedoch tatsächlich bei jeder Gelegenheit davon Gebrauch machen, wären wir bald nur noch von Feinden umringt. Wir brauchen dazu gar nicht zum Mittel der Verleumdung zu greifen - die ja oft auch nur eine subjektive, negative Meinung über andere ist – wir sollten uns nur gelegentlich in unseren Parlamenten umsehen, in denen de jure parlamentarische Meinungsfreiheit herrscht, die sich jedoch in der Praxis in parlamentarischen Reden häufig an der Grenze der Verleumdung bewegt, weshalb der parlamentarische Prozess so unendlich mühsam geworden ist und immer weniger sinnvolle Ergebnisse zeitigt.

 

Im Privatleben führen die gewonnenen Freiheiten zu zerbrochenen Ehen und Beziehungen, im Geschäftsleben wurde die Handschlagqualität durch komplizierte Verträge ersetzt, die immer häufiger gebrochen werden und wo wir es dann den JuristInnen überlassen, deren Freiheit zur Gesetzesauslegung bis zur Einstellung von Verfahren auszunutzen, obwohl oft Zweifel am Richterspruch offen bleiben.

 

Banken und Spekulanten machen Pseudogeschäfte, die es früher in diesem Umfang nicht gab – da wird Freiheit sehr schnell zum Betrug.

In den Künsten führt der Freiheitsdrang zu Kunstwerken, die oft bereits ziemlich nahe an Grenzen gelangen, die den Lebensmittelsurrogaten (z.B. Analogkäse oder „Formfleisch“) ähneln.

 

Unser Lebensstil erlaubt uns die Freiheit, über unsere Verhältnisse zu leben, jeder Mode des geistigen und physischen Mainstreams nachzulaufen. Geistig insofern, weil die Freiheit es uns auch erlaubt, immer weniger über die Dinge nachzudenken (was alle anderen machen, kann doch nicht so schlecht sein!) und physisch, weil Schönheitsoperationen und Fitnesscenter uns zunehmend zu langweiligen Abbildern unserer "individuellen" Persönlichkeit machen. Insbesondere das Smartphone und die damit fast täglich neu herunterladbaren Apps zwingen uns zu einem uniformierten Lifestyle – und sogar der Protest gegen bestimmte Lifestyleformen gehört zum Lifestyle unserer Zeit, denn Proteste sind selten individuell bestimmt, sondern ähneln meist dem Unterschied zwischen Positiv und Negativ in der traditionellen Fotografie, d.h. ohne neuen „Informationsgehalt“.

 

Und schließlich ähneln wir vollkommen den modisch umhängten Schaufensterpuppen und werden zu Surrogaten unseres Selbst – es fehlt nur noch die elektronische Steuerung, um uns auch alle physisch und geistig gleich zu bewegen – an Apps die unsere Gehirnaktivitäten steuerbar machen wird bereits schon irgendwo gearbeitet und wenn es diese dann gibt, werden wir das gar nicht merken, weil sie als Trojaner in unsere Computer- und Smartphonewelt und somit in unsere Gehirne automatisch eingeschleust werden.

 

 (Version 22.9.2016)

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Impressum: verantwortlich für den Inhalt: Alfred Rhomberg, Copyrights Dr. Alfred Rhomberg, 1&1 IONOS Website Builder