Elektroautos – Strom kommt aus dem Akku - und Update v. 17.10.2017)

 

"Jamais content" (1889) - © Wikipedia, Public Domain
Tesla Roadster 2011 - © Wikipedia, Public Domain

 

„Mit einer drastischen Forderung wollen die Grünen die Elektromobilität in Deutschland vorantreiben. Ab 2030 sollen keine Autos mit Benzin- und Dieselmotoren mehr neu zugelassen werden. Das sei auch im Sinne der Hersteller, so die Grünen“. (Zitatende) (1), siehe dazu auch einen Artikel aus n-tv-online über „Die großen Irrtümer der Autoindustrie“ (2)

Eine solche Forderung wie die der „Grünen“, also von Seiten der Politik, entspräche etwa der Forderung: “Ab 2030 darf es keine Krebserkrankungen mehr geben“.

Der Ruf nach Elektroautos ist heute, wenn auch nicht in aller Mund, so doch ein zentrales Thema bei Politikern und in den Entwicklungsabteilungen fast aller Autohersteller. Es stimmt – Elektroautos gehört die Zukunft, wann diese Zukunft jedoch wirklich anbricht, hängt von vielen technologischen Faktoren und nicht vom Willen von Politikern ab. Nach wie vor gilt, dass der Strom aus den Akkus kommt – wie er dort hineinkommt und wie lange es noch Rohstoffe für leistungsfähige Akkus gibt (Lithium) ist das eigentliche Problem der Zukunft von Elektroautos. Der Weg vom ersten Elektroauto (1889) bis zum schnittigen Tesla Roadster (2008) betrug immerhin mehr als 100 Jahre, doch das Auto für jedermann lässt noch immer auf sich warten.

Update: In einem Beitrag aus n-tv online vom 17.10.2017 wird als eigentliches Problem zur Herstellung von Elektroautos ebenfalls das Rohstoffproblem für Batterien (diesmal ein mangelndes Kobaltangebot) beschrieben. (3)

Die Vorteile von Elektroautos liegen auf der Hand: sie können ihr maximales Drehmoment schon fast im Stillstand erreichen und brauchen, anders als Autos mit Verbrennungsmotoren, theoretisch kein Schaltgetriebe mehr, sie emittieren keine schädlichen Abgase und haben einen hohen Wirkungsgrad.

Die Nachteile sind, dass Elektroautos derzeit wegen der Batterien (Akkus) teuer sind, weil Akkus bei gleicher Raumausfüllung nur eine verschwindend kleine Energiedichte gegenüber einer Tankfüllung Dieseltreibstoff haben. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, sodass statt nutzbarem Laderaum bei Elektroautos sehr viel Raum für Akkubatterien aufgewendet werden muss. Auch die Behauptung, keine schädlichen Abgase mehr zu erzeugen muss relativiert werden. Die Abgase in Form von Kohlendioxid werden zwar nicht mehr vom Auto selbst ausgestoßen, sie entstehen jedoch zum Teil bei der externen Stromerzeugung aus Wärmekraftwerken, sofern Regionen unserer Erde nicht über genügend Wasserkraft, Solarenergie oder Windkraftenergie verfügen. Dass ein Großteil des Stroms in vielen Ländern noch aus Atomenergie gewonnen wird, ist ein weiteres dunkles Kapitel unserer Energiegeschichte. Gerade ist China dabei, neue Wärmekraftwerke (und auch neue Atomkraftwerke) zu bauen.

Selbst in Ländern die bereits recht energieautark sind wie z.B. Österreich (etwa 70 % des Stroms werden aus eigener Wasserkraftenergie, Solarenergie oder Windenergie generiert) könnte es zu teuren Stromengpässen kommen, wenn alle Autos (im Februar 2015: ca. 6,4 Millionen PKWs) elektrisch betrieben würden (Februar 2015 waren erst 3300 Elektroautos in Betrieb!). Um wieviel größer wäre der Strombedarf in Deutschland oder Italien bei einer Komplettumrüstung auf Elektroautos im Laufe der nächsten Jahre. Staatliche Anreize durch Subventionierung beim Neukauf solcher Autos, wie dies derzeit in Deutschland diskutiert wird, wäre ein absolut falscher Ansatz, weil dadurch die Strompreise sowohl für Haushaltstrom, als auch Industriestrom steigen müssten.

Es gibt viele Gründe, warum der Traum einer vollkommen elektrischen Autowelt noch ein Zukunftstraum ist:

• Akkus müssen technologisch weiterentwickelt werden. Das wichtige Element Lithium ist nur in wenigen Ländern in sekundären Lagerstätten oder in Salzseen verbreitet, wobei es besonders auch auf das Mengenverhältnis zu Magnesium ankommt, das meist ebenfalls in den Salzseen vorkommt und abgetrennt werden muss. Derzeit wird Lithium hauptsächlich in Chile (Salar de Atacama) aufbereitet, es gibt jedoch auch Salzseen in Bolivien, Argentinien (Salar de Hombre), China, Tibet und Afghanistan. 2016 wurden Vorkommen in Utah (USA) bekannt. Der Abbau ist grundsätzlich kostenintensiv (siehe auch Update v. 17.10.2017 (3)

• Einige Automobilhersteller experimentieren auch wieder mit den alten Bleiakkumulatoren in Form von „Blei-Gel“ Akkus, sind aber von deren Zukunft nicht überzeugt. Unlängst ließ ferner eine Publikation einer US-Universität über Aluminium-Akkumulatoren aufhorchen, enttäuschend allerdings, dass es noch nicht einmal einen Prototyp gibt und die Entwicklung noch viele Jahre dauern könnte.

• Elektrischen Strom aus deutschen Windkraftanlagen vom Norden in den Süden zu transportieren, soll laut deutschen Regierungsbeschluss nicht durch Überlandleitungen, sondern durch Erdleitungen erfolgen. Solche Leitungen sind teilweise bereits im Bau, sehr kostenintensiv und bezüglich des Gesamtausbaus müssen noch komplizierte Grundeigentumsrechte geklärt werden.

FACIT: Selbst, wenn die Ziele Deutschlands oder Österreichs realisiert würden, gäbe es weltweit noch immer nur eine verschwindend kleine Zahl von Elektroautos und einen verschwindend kleinen Beitrag zu den „ratifizierten“ Klimazielen der Pariser UN-Klimakonferenz 2015, die unlängst auch von China ratifiziert wurden. „Ratifizierung“ und Umsetzung solcher Ziele bleiben wohl noch lange reine Illusion – was bleibt ist der Stolz einiger Politiker, richtige Ziele populistisch artikuliert zu haben und natürlich der Stolz derjenigen, die bereits ein teures Elektroauto besitzen.

(29.9.2016 und Update v. 17.10.2017)  

(1)     http://www.n-tv.de/politik/Gruene-wollen-ab-2030-nur-noch-Elektroautos-article18745781.html

(2)     http://www.n-tv.de/wirtschaft/Die-grossen-Irrtuemer-der-Autoindustrie-article18658501.html

(3)     http://www.n-tv.de/wirtschaft/Droht-VW-der-Elektro-Schock-article20086209.html

 

 

 

 

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