Think Tanks – „Denkfabriken“
 
Think Tank - © Alfred Rhomberg

 

Früher hatten wir mit unserem Gehirn gedacht, heute im hochindustrialisieren Zeitalter werden komplexe Fragen in Think Tanks ausgelagert. Dort werden sie irgendwie und von irgendwem bearbeitet und die Ergebnisse dann einfach übernommen. Gut – von unseren Gehirnen wissen wir auch noch nicht so genau, wie dort gearbeitet wird – aber nach allem Wissen sind es dort „interagierende“ stark vernetzte Neuronen, Synapsen und Neurotransmitter und ziemlich viel Chemie – also alles handfeste Mitarbeiter, denen wir vertrauen können, mit einer Ausnahme: vielleicht gibt es dort auch transzendente Mitarbeiter, Gott, oder neutraler gesagt: „den Schöpfer“, dessen Wege oft seltsam und nicht immer geradlinig sind – alles zusammen führt dann zu individuellem Denken, wobei diese Gehirne allerdings durch „Lernen“ vorher etwas angestrengt werden müssen.

In den Think Tanks arbeiten in erster Linie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, die zwar (hoffentlich) auch mit ihren Gehirnen, meist jedoch mit Lehrmeinungen arbeiten, von denen wir wissen, wie konträr diese sein können und wie leicht solche Lehrmeinungen manipulierbar sind. Mit diesen geballten, weil in großen Arbeitsgruppen erarbeiteten Lehrmeinungen am allerletzten Stand der Wissenschaften werden dann PolitikerInnen, ManagerInnen und die öffentliche Meinung für viel Geld versorgt, sodass wir diese Ergebnisse beruhigt übernehmen können, ohne uns selbst durch eigenes Denken anstrengen zu müssen. Wenn dann irgend etwas schiefläuft, sind wir nicht selbst daran schuld - wir können uns beruhigt zurücklehnen und den nächsten TV-Krimi ansehen.

Das Beruhigende an den neuesten Lehrmeinungen ist, dass sie wirklich immer ganz neu sind - wer würde schon gerne mit Denkmustern eines Johann Wolfgang von Goethe oder Alexander von Humboldt arbeiten, die noch mit den gleichen Hirnkonstruktionen der antiken Philosophen wie Platon oder Aristoteles ausgestattet waren. Deswegen schützt man unsere Jugend ja auch sorgfältig vor der Beschäftigung mit „altmodischer“ Literatur und veralteten Bildungsidealen und stopft ihre Gehirne lieber mit zeitgemäßem Spezialwissen voll, das zwar nach Schulabschluss auch bereits veraltet ist (nichts veraltet bekanntlich so schnell wie Spezialwissen), dafür stehen ihnen aber dann Think Tanks zur Verfügung die gerade „in“ sind, wobei sie nur noch auswählen müssen, welche sozio-politische Ausrichtung sie bei der Wahl ihrer Think Tanks treffen wollen bzw. wie sie durch Freundinnen/Freunde über Social Networks oder Parteifreunde beraten wurden und was sie mit dem geballten Wissen des letzten Standes dann bezwecken wollen. Für Unentschlossene existiert in der Wikipedia Enzyklopädie ferner eine „Liste der bekanntesten Denkfabriken“ der ganzen Welt – da sollte für jede/n eine geeignete Denkfabrik zu finden sein.

„Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will“ meinte Albert Einstein, der allerdings noch ganz ohne Think Tanks arbeitete – was hätte aus Einstein alles werden können, wenn es damals schon Think Tanks gegeben hätte!

(5.8.2016)

 

 

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