Wenn Innovation durch Populismus erzwungen (oder verhindert?) wird

 

Wassersofffusion - © Wikipedia, Public Domain

 

Noch im 19. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert war der Erfindergeist einzelner privater Erfinder, später dann die rasch aus dem Boden schießenden Firmen, besonders in den USA, England und Deutschland, die Triebfeder von Innovationen. Heute werden Innovationen zunehmend von der Politik auf Grund populistischer Forderungen unterschiedlichster Gruppierungen „eingefordert“, wenn man dadurch politisches Kapital (Wählerstimmen) gewinnen kann.

 

Derzeit geschieht das mit Verboten von Dieseltreibstoffen oder Benzinmotoren und der Forderung, bis zu einem derzeit noch nicht realistischen Zeitpunkt nur noch Elektroautos zuzulassen. So wollen Frankreich und Großbritannien ab 2040 keine Diesel oder Benzinautos mehr zulassen, anderen europäische Länder haben ähnliche Ziele, wobei sogar der EU-Kommissar Oettinger allgemeingültige Regeln für die EU ablehnt, weil die einzelnen Länder zu unterschiedliche Ausgangslagen aufweisen (1).

 

Es war daher kein Wunder, dass der „Dieselgipfel“ am 2.8.2017 in Berlin nahezu kein Ergebnis brachte. Erstens waren alle Entscheidungen von Seiten der PolitikerInnen, nicht erst jetzt im Wahlkampf,-von Populismus geprägt und zweitens besteht der Verdacht, dass die kriminellen Machenschaften der Messwertmaniplation bei Dieselautos gleichfalls von Populismus mitgetragen wurden (man kann schließlich keine Autos verkaufen, die irgendwelche Normwerte überschreiten!). Daneben gibt es jedoch für beide Seiten einen sehr handfesten Grund, sich nicht allzu sehr festzulegen: der enorme Verlust von Arbeitsplätzen!

Solche „Gipfelspiele“ sollte man also in Zukunft vermeiden und etwas mehr in die Zukunft blicken.

 

1). Die Technologie von Autos mit den derzeitigen Verbrennungsmotoren scheint zwar ausgereizt, da wir jedoch auf solche Autos noch lange nicht verzichten können, muss das Beste daraus gemacht werden.

 

2). Die Zukunft gehört den Elektroautos? Weil die Stromversorgung durch wiedererneuerbare Energie global noch nicht gesichert ist, muss der Industrie mehr Zeit für Forschung und Freiraum für innovative Projekte gegeben werden, wie dies von je her erforderlich war. Die Forderung der deutschen Bundeswirtschaftsministerin Frau Zypries, die Industrie durch verbindliche Quoten zu zwingen, „bedarfsgerechte“ Elektro-Autos zu liefern, ist absolut kontraproduktiv (2)(2a).

 

Anm.: Von der Erfindung des Dieselmotors (1893) bis zur Entwicklung der modernen Dieseltechnik hat es über 100 Jahre gedauert.

 

Zu 1). Benzinautos sind trotz weitgehender Entschwefelung des Treibstoffes und Verbesserung der Motorentechnik laut einer Shell-Studie mit 15-20% CO2 Immission (Herstellung und Bereitstellung) ein wesentlicher Anteil der Treibhausgase.

 

Zu 2). Bevor Dieselautos durch die Politik einiger Länder per Dekret ab einem bestimmten Zeitpunkt „verboten“ werden, sollte zunächst das Problem der Stromgewinnung unter einem globaleren Gesichtspunkt analysiert werden.

 

Die Welt besteht nicht nur aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Österreich, sie besteht auch ein bisschen aus China, Indien, Russland, USA (wobei Präsident Trump bekanntlich den Klimawandel überhaupt leugnet). Es wird geschätzt, dass es bereits 2010 mehr als eine Milliarde PKWs auf der ganzen Welt gab (3) - heute werden es vermutlich wesentlich mehr sein! Alle diese PKWs (und zusätzlich die hier nicht eingerechneten LKWs) auf Elektroautos umzustellen ist das geringste Problem, das eigentliche Problem besteht darin, woher der Strom kommen und wie er transportiert wird (in Deutschland sind die Stromnetze jetzt schon überlastet) (5).

 

Energie aus Windkraftwerken stößt sehr schnell an Grenzen die schwer überwindbar sind, weil getriebelose Kraftwerke nur dann wirtschaftlich arbeiten, wenn im Generatorteil das relativ seltene Metall Neodym verwendet wird. China ist derzeit mit ca. 97 % der wichtigste Lieferant der Weltproduktion dieses Metalls. Die Gewinnung ist mit schweren Umweltrisiken verbunden, weil giftige Abbauprodukte ins Grundwasser gelangen und ganze Landstriche bereits jetzt gesundheitsschädlich verseucht sind (4). Weitere Vorkommen gibt es in Australien, deren Abbau jedoch die gleichen Umweltprobleme verursachen würden. Außerdem wären bei einer „Totalvermühlung“ starke Veränderungen der Luftströmungen (mit weitreichendem Einfluss auf Klimaveränderungen) und Störungen der Vogelwelt zu erwarten.

 

Gleichgültig, ob der Strom nun aus Windkraft- oder Solaranlagen bezogen wird – ein wesentliches Limit für die weltweite Umstellung auf Elektroautos sind die derzeitigen Akkus, die bereits jetzt die Lithiumvorräte der Welt (hauptsächlich in Bolivien) fast aufgebraucht haben. Näheres dazu aus einem Beitrag dieses Magazins „Elektroautos – Strom kommt aus dem Akku“.

 

Resumée: Die Entwicklung neuer Technologien zur Energiegewinnung wird sicherlich (auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und des Klimawandels) weiter an Bedeutung gewinnen. Die Einmischung der Politik durch Reglementierungen oder Steuerbegünstigungen bestimmter Energieformen oder Steuergeschenke an Verbraucher (z.B. zum Ankauf von Elektroautos) ist für die freie Forschung kontraproduktiv. Sowohl Wissenschaft und Industrie waren auch früher aus Konkurrenzgründen immer daran interessiert, bessere (innovative) und u.U. ganz neue Ideen zu verwirklichen. Bezüglich des zukünftigen globalen Energiebedarfs sollten dringend die Realisierung neuer Speichermedien (Akkus), die Möglichkeiten der Geothermie, aber auch die noch immer nicht gezähmte Wasserstofffusion im Vordergrund stehen.

 

(25.8. und 28.8.2017)

 

(1) http://www.n-tv.de/wirtschaft/Oettinger-gegen-einheitliche-EU-Regeln-article19961047.html

(2) http://www.n-tv.de/politik/Zypries-haelt-zweiten-Dieselgipfel-fuer-noetig-article19978738.html

(2a)http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-haelt-Verbot-fuer-nicht-realistisch-article19987408.html

(3) https://www.wasistwas.de/archiv-technik-details/wie-viele-autos-gibt-es-ungefaehr-auf-der-ganzen-welt.html

(4) https://www.ulrich-richter.de/fakten/gesundheit/neodym/

(5) http://www.n-tv.de/wirtschaft/Die-grossen-Irrtuemer-ueber-die-Autoindustrie-2-article19998619.html

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