Extended Reality

 

Beim Joggen - © Alfred Rhomberg - mit Datenbrille?

 

Der nachfolgende Beitrag setzt sinngemäß den Beitrag der „Igler Reflexe“ Die Sicht eines Anti-Technokraten – oder Angst vor den „et cetera's‘ fort. Diesmal geht es um neue Brillen, welche die uns begleitende Realität, die je nach den gemachten Erfahrungen eines Betrachter ohnehin anders gesehen bzw. interpretiert wird, durch eingebaute (virtuelle) Elemente noch weiter künstlich veränder kann: „Extended Reality“.

Extended Reality, Augmented Reality, Mixed Reality – alles läuft auf den Begriff einer „Erweiterten Realität“ hinaus. Großkonzerne wie Microsoft oder Apple (und vermutlich viele andere) arbeiten an Brillen, die uns etwas vermitteln sollen, um das uns umgebende Umfeld durch Einbau frei wählbarer Zusatzinhalte in neue Erlebniswelten zu verwandeln – Science Fiction Filme wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ lassen schön grüßen! Geräte von Microsoft sind bereits im Handel und marktreife Geräte von Apple werden etwa 2018 zur Verfügung stehen. (1) (2).

Brauchen wir so etwas wirklich?

Was wir wirklich brauchen ist eine fast nicht zu beantwortende Frage. Nach Kriegsende 1945 brauchten wir in erster Linie Nahrungsmittel zum Überleben und Wohnraum. Später brauchten wir dann ein Auto, einen gut bezahlten Job und, wenn möglich, ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung. Kühlschränke, Waschmaschinen und Staubsauger, Fernsehgeräte waren bereits selbstverständliches Zubehör jedes Haushalts, ebenso Stereoanlagen, Videorecorder und Diaprojektoren. Dann kam das Computer- und Internetzeitalter und das Smartphone mit allen seinen „unverzichtbaren“ Möglichkeiten, sowie eine jährlich steigende Anzahl neuer Konsumartikel, die durch die neuen Kommunikationswege besonders leicht den „Verbraucher“ erreichen – und jetzt kommen dann die „Datenbrillen“.

Microsoft selbst spricht nicht von Augmented Reality (erweiterte Realität), sondern von „Mixed Reality“ (gemischter Realität). Dahinter steckt der Gedanke, dass mit den Datenbrillen nicht nur die von uns wahrgenommene Realität mit digitalen Inhalten ergänzt, sondern umgekehrt auch die virtuelle Realität in die Wirklichkeit geholt werden kann.

Es gibt Berufe, bei der die Möglichkeit, unterschiedliche Inhalte in eine vorgegebene Situation künstlich (virtuell) einzupassen von Vorteil ist – etwa bei der Simulation unvorhergesehener Ereignisse beim Training von Flugzeugpiloten oder als Hilfsmittel für Architekten. Auch zur Ausbildung von Ärzten/Chirurgen könnte die Simulation unvorhergesehener Schwierigkeiten bei Operationen hilfreich sein.

Bei alltäglichen Dingen die über das nackte Überleben hinausgehen, ist die Frage jedoch berechtigt, was wir wirklich brauchen. Nicht nur die vielen Flüchtlinge sollten uns zu denken geben und wie diese sinnvoll in unsere Welt integriert werden können, sondern auch wie unsere Jugend so erzogen werden kann, dass sie „ihre“ Zeit vernünftig bewältigen kann. Doch auch unsere eigene Zukunft des Älterwerdens sollte uns stärker beschäftigen: Wie werden wir mit den „Segnungen“ einer bereits bestehenden Zweiklassenmedizin umgehen, wenn wir sie brauchen, wie und wer wird uns am Ende unseres Lebens pflegen, wo und wie werden wir unsere letzten Stunden verbringen?

 

Solche existenziellen Fragen würden dem Begriff einer „Extended Reality“ eher gerecht als Konsumspielereien. Erst wenn wir diese Fragen gelöst haben, können wir uns solchen Spielereien beliebig widmen, die uns durch Internetangebote oder Post-Kaufhausprospekte aus unserer „normalen Reality“ herauszureißen versuchen.

 

(1) http://www.n-tv.de/technik/Apple-soll-AR-Brille-fuers-iPhone-bauen-article19094821.html

(2) http://www.n-tv.de/technik/Microsoft-verbreitet-AR-Revolution-article18835781.html

(21.11.2016)

 

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