Bitcoins und Tulpenzwiebeln
 

Bitcoinblase - © Alfred Rhomberg, Bitcoin-Abbildung, Public Domain, grafisch verändert

 

Vor kurzer Zeit wurde in diesem Magazin über die Grundlagen von Bitcoins bzw. Kryptowährungen und deren potenziale Gefahr als Geldanlage berichtet. Es dauerte nur zwei Monate bis die Gefahr akut wurde und inzwischen an die größte Spekulationsblase der Börsengeschichte (1650-1657) erinnert. Tulpenzwiebeln hatten in den Niederlanden bei wohlhabenden Bürgern eine Beliebtheit erlangt, die nach ihrer Einfuhr aus dem mittleren Osten anfangs wegen ihrer Schönheit die Gärten zierten, ab 1650 begannen Tulpen so beliebt zu werden, dass ihr Preis enorm stieg. Bald konnte man zum Wert einer Tulpenzwiebel ein ganzes Haus kaufen. In wenigen Jahren wurden Tulpenzwiebeln zum beliebten Spekulationsobjekt, was 1637 zum Platzen dieser Spekulationsblase führte. Betroffen waren damals fast nur wohlhabende Bürger, weil sich ärmere Bevölkerungsschichten Tulpenzwiebel schon lange nicht mehr leisten konnten.

 

Spätestens ab diesem Punkt sollte man bei Bitcoins den Vergleich mit Tulpenzwiebeln verlassen. Tulpenzwiebeln sind reale Objekte, Bitcoins (entsprechend dem zusammengesetzten Name

Bit und coin) digitale Münzen, die kaum als reale Objekte bezeichnet werden können. Anders als bei anderen Überweisungen/Transaktionen wie Zahlscheinen, Bankomatabhebungen, Onlinebanking etc. wird bei Zahlungen mit Bitcoins keine zentrale Abwicklungsstelle benötigt. Überweisungen werden über das Internet mittels einer Peer-to-Peer (das sind ebenbürtige Rechner) abgewickelt, sodass es keine zentrale Abwicklungsstelle wie im Bankverkehr gibt und Zahlungen weitgehend anonym bleiben. Wie bei anderen Zahlungsmitteln auch, wird der Wert von Kryptowährungen von Angebot und Nachfrage bestimmt, nur sind Zahlungsmittel wie Geldscheine oder Münzen (zumindest in den Industriestaaten) durch Nationalbanken kontrolliert und meist durch Gold oder Staatsanleihen gedeckt. Auch bei unseren Kontobanken sind Ersparnisse durch Diversifizierung (Anleihen, Aktien, Immobilien etc.) einigermaßen gesichert, nur muss hier auf die Bonität der Banken geachtet werden.

 

Warum wird die Bitcoinwährung jetzt zur Gefahr?

 

Sofern es sich beim Bitcoin überhaupt um eine Währung handelt(1), hat die Gefahr damit begonnen, als der Handel mit „Futures“ (Optionen) am 8. Dezember 2017 begann(2). Noch im Oktober dieses Jahres wurde der Kurs unter USD 5000 gehandelt, nachdem er nach seiner Gründung 2009, viele Jahre bis 2013 unter Internetusern praktisch bei null kursierte. Anfang Dezember 2017 begann ein Steigflug bis zu ca. USD 20000 um am Ende des Jahres in wenigen Stunden auf 12570 einzubrechen(3) (4). Der spekulative Charakter von Internetwährungen macht diese Währungen eigentlich nur für erfahrene Marktteiltehmer geeignet, umso mehr gilt dies für Futures oder Fonds solcher Währungen.

 

Für den Bitcoin bahnt sich gerade eine Spekulationsblase an, die durchaus an die Tulpenzwiebelspekulation erinnert, nur dass das Ausmaß wegen der globalen Verbreitung des Internets bei Kryptowährungen und der hohen Marktkapitalisierung bisher noch ungeahnte Folgen haben kann.

 

Anm.: Auch „solide“ Währungen wie das britische Pfund waren durch Spekulationen schon in Bedrängnis geraten: Ohne hier auf die Vorgeschichte des „Schwarzen Mittwochs“ am 16.September 1992 näher einzugehen, kam es kurz nach dem Versuch der britischen Notenbank, das Pfund an diesem Tag durch eine Zinserhöhung von 12 – 15 % zu stabilisieren, zu gewaltigen Kurseinbrüchen von bis zu 50%. George Soros und andere Investoren hatten schon länger an eine Überbewertung des britischen Pfundes geglaubt und setzten spekulativ große Geldsummen zur Schwächung des Pfunds ein. Nach der Zinserhöhung durch die Notenbank verkauften sie ihre Optionen sofort, was unmittelbar zu den genannten Kurseinbrüchen führte. Diese Spekulation brachte Soros einen Milliardengewinn ein.

 

Die gleiche Gefahr wie beim Bitcoin droht auch zwei anderen Kryptowährungen: Ethereum und „Ripple“. Das Netzwerk mit der Währung „Ether“ stand hinsichtlich der Marktkapitalisierung lange am zweiten Platz hinter dem Bitcoin. Inzwischen wurde Ethereum jedoch von der Kryptowährung Ripple nach deren massivem Kursanstieg von mehr als 1000 Prozent im Dezember bzw. 30.000 % im ganzen Jahr 2017, überholt. Ripple hatte als erste „Digital-Münze“ nach dem Bitcoin die 100-Milliarden-Dollar-Marke erreicht und hat nun einen Gesamtwert von zuletzt 106 Milliarden US-Dollar.

 

Braucht man schon bei Anlagen in Aktien, Aktienfonds, Rohstoffen und Firmenanleihen langjährige Erfahrungen um Verluste zu vermeiden, so ist dies bei Kryptowährungen erst recht der Fall, wobei längere Erfahrungen wegen der kurzen Existenz solcher Währungen noch gar nicht vorliegen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die absolute Abhängigkeit von Internet und Computern ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor sind. In diesem Zusammenhang ist auch die in diesen Tagen bekannt gewordene Schwachstelle bei manchen Prozessoren ein Risiko, das nicht unterschätzt werden darf. Auch die immer größer werdende Komplexizität von Hardware und Softwares birgt wachsende Risiken bei Geldanlagen.

 

Resumée: Die nächste Spekulationsblase wird nicht von Währungen, sondern wegen der stetig wachsenden Preise von Immobilien, von Immobilienanlagen ausgehen. Auch das Platzen der Immobilienblase wird die gesamte Weltwirtschaft einschließlich Aktien und Währungen negativ beeinflussen und doch sind Immobilien derzeit unter zwei Gesichtspunkten allen anderen Anlagen vorzuziehen: 1). Die gute Lage einer Immobilie ist außerordentlich wichtig und 2). Immobilien dürfen nicht auf Kredit gekauft werden, selbst dann nicht, wenn zu erwartende Mieteinnahmen, die anfallenden Kreditzinsen derzeit noch decken. Wer diese beiden Grundsätze missachtet, trägt dazu bei, dass sich die Wirtschaftskrise von 2009 wiederholt. Es dürfte bekannt sein, dass diese Krise durch Immobilienschulden ausgelöst wurde, deren Absicherung durch Optionen erfolgte, die ihrerseits durch Futures und Weiterverkauf der vollständig unübersichtlichen Konstrukte in Form von „Bündeln“ an immer mehr Banken letztlich zur Katastrophe führte.

 

(5.1.2018)

 

(1)  https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ist-der-Bitcoin-eine-Waehrung-article20203773.html

(2)  https://www.n-tv.de/wirtschaft/Handel-mit-Bitcoin-Futures-startet-article20172854.html

(3)  https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bitcoin-Kurs-bricht-ein-article20198717.html

(4)  https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wieso-der-Kryptomarkt-crasht-article20234508.html 

 

 

 

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